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Matze Schmidt

Contents

...das "Kapital" verfilmen 1.3

Replik einer medialen Translation: Ein work in progress

Inhalt

1. Einleitung

1.1 Das Projekt

1.2 Replik

1.3 Versionen

1.4 Links vom Film zum Text

1.5 Ich werde/Wir werden das Kapital verfilmen

2. Xxx

3. Das Kapital vefilmen

4. intermedial

5. ... zu Gold spinnen

  • 1. Einleitung*

1.1 Das Projekt

Karl Marx' _Das Kapital_ zu verfilmen, wird zunaechst auf dieser Simpel-HTML Webseite, mit in der Schrift verankerten Hyperlinks zu Filmen verschiedener Formate in einem Fliesztext als work-in-progress, als Baustelle verhandelt: Hier enststeht... Das heiszt, dass fragmentarisch und im Wechselverhaeltnis von Text zum Bewegtbild gerabeitet wird -- traditionalistisch in bewaehrtem buchartigen Format. Der Textteil und die Filmteile bleiben dabei zueinander konfigurativ veraenderbar. Es wird keine Datenbank erstellt, kein designtes Interface gebaut, obwohl dieses die Systematik in der Dimension vergroessern und zugleich vereinfachen wuerde; man vergleiche neuere teiloeffentliche (deutschsprachige) Datenbankinitativen zur Kunst und Medienkunst wie das http://www.prometheus-bildarchiv.de oder http://www.medienkunstnetz.de. Stattdessen wird aufbauend, versionistisch -- in Absetzung zu Weblogs nicht in Tagebuchform -- im Textbereich moeglichst kompatibel zu ASCII (bzw. Unicode) formatiert, im Filmbereich mit moeglichst leicht verfuegbaren Videocodecs gearbeitet.

Die Frage nach dem Archiv und dem Wissenszugang, bzw. den medialen Umgebungen fuer die Re-Generierung von Wissen, denn nichts anderes bedeutet der Zugriff auf Daten durch den Datensuchenden, ist mit den netzigen Foren und Portalen neu verhandelbar. Warum sollte die Diffundierung und Verteilung von politischen und kultuellem (hier in der buergerlichen Trennung wiedergegeben) externalisiertem, also angeschriebenem Wissen in kommerziellen, vermassten halb-systematischen Webraeumen im Zusammenspiel mit enzyklopaedischen Ansaetzen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Filmdatenbank) nicht andere und weitergefaszte Aufgaben uebernehmen koennen?

Ein Wiki kombiniert mit einem Mindmapping und mit komfortabler Historie-Funktion (die den Vergleich der Versionen leichter zuliesze) waere evtl. angebracht. Film und Text, oder Text und Film stehen also fuer die Dauer der Entstehung des Projekts im Prozess des andauernden Schreibakts zur Disposition. Das hat insofern moegliche Auswirkungen auf den Korpus dieses Textes, den Korpus der Filme und den Korpus des Referenztextes, _Das Kapital_ 'selbst', weil Transformationen und Translationen, also die Bedingungen und Moeglichkeiten von Uebertragungen von einem Medium in das andere, die Vermittlung also, mitgedacht werden sollen.

Der Text fungiert in seiner bestaendigen Vorlaeufigkeit demnach als eine Art narrativer Index, Navigationsebene und Zusammenhaengendes sowie als Ausgangsbasis fuer hier anstehende Versuche, der bild-medialen "Umsetzung" der Kritik der politischen Oekonomie nachzugehen und diese Umsetzung zugleich in Frage zu stellen. In Abwandlung nach Marx: In der Darstellung die Kritik desselben. So wie Wolfram Schuette den Film _Klassenverhaeltnisse_ von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub nicht als "Verfilmung" einschaetzt -- weil es nicht das "Ziel von Straub/Huillet [war], den Korpus eines literarischen Werks 'adaequat' _mit_ den Mittteln des Films in ein Kinostueck zu _uebersetzen_. Allenfalls _in_dessen Mittel" -- so gilt auch hier, in Anbetracht der Fuelle und Komplexitaet aller drei Baende des _Kapital_, und besonders und grundlegend aufgrund seiner bereits bestehenden Vermitteltheit als wissenschaftlicher politischer Text, dass im Rahmen eines solchen Vorhabens 'nur' eine Lektuere hervorgeht, die "den ausloesenden Gegenstand" im "Prozess der Aneignung und Umformung mit der Palette des eigenen Erkenntnis- und Darstellungswillens neuformuliert."[1] Die Thematik wird problematisiert und nicht blosz mit Bild-Inhalten gefuellt, indem sie in die elaborierten Mittel des Hypertext gesetzt werden, der Hypertext UND Hyperfilm sein muesste (zum Korsakov System spaeter), der auf editorischer Ebene kooperative Moeglichkeits-Bedingungen an die Hand geben muesste. Praktisch waere ein Gefuege von Text, Index und Bild in drei unter der navigativen Herrschaft des Index aufeinander verweisende Rahmen denkbar -- links der Index, rechts der Text, darunter das Bild.

1.2 Replik

Die Replik, die Erwiderung auf einen vorgefundenen Komplex einer Uebersetzung von wiederum Gegebenem ist nicht nur die Wiedergabe fixen Materials, sondern der Versuch der Verschraenkung von Theorie als Praxis mit der Praxis, die ohne reflexive Theorie nicht auskommt.

Fehlleistungen und Redundanzen werden dabei nicht gaenzlich liquidiert, sondern als notwendig anfallende Bestandteile der Un-Sicherheit einer Improvisation aufgefasst. Versionistisch heiszt, dass die Versionen, also die sukzessive zu aendernden Texte als Gesamttext UND die zu aendernden Filme (deren Satus in bezug zum Game und anderen Bild-Ton bzw. Audiovisuellen Umgebungen zunaechst ein privilegierter ist) hier in der Hierarchie 1. Text 2. Film erscheinen. Wobei sowohl Filme als auch Text(e) sich gegenseitig triggern. Das Risiko fuer Autor und Leser/Schauer besteht darin, dass der basal umschreibbare Text im Darstellungsmodus als Netztext in diesem Fall blosz fuer den Autor umschreibbar bleibt und somit fuer moegliche Lesarten eine Unbestaendigkeit hergestellt wird. Die Selbstpositionierung als Autor dieser schlichten Kombinatorik aus Text und Film haengt sehr einfach damit zusammen, dass der Autor als 'Frontautor' allein arbeitet, was alle Unterstuetzer und Zuarbeiterinnen autorenschaftlich hierarchisch zunaechst wie abwertet. Diese Hierarchie soll aber ersteinmal nicht gebrochen werden, um redaktionell moeglichst praezise und kohaerent arbeiten zu koennen, denn die rohe Arbeit an diesem kombinierten Text-Film-Korpus muss sich einer faktischen diversifizierten Verteilung von Quellen und Bezugnamhmen in Wissensnetzen stellen. Formate wie Gespraeche und gemeinsame Sichtungen und auch kollektive Produktionen sind dadurch nicht ausgeschlossen und ohnehin geplant.

Dass das Mediale schon politisch ist, wird voraussgesetzt, dass das Politische nicht selbst ist waere naiver Realismus. ...


1.3 Versionen

Eine stetig erweiterte Liste der Versionen des Textes wird erstellt und ist zunaechst hier eingefuegt:

...das Kapital verfilmen 0.1 ...das Kapital verfilmen 0.2 ...das Kapital verfilmen 0.3 ...das Kapital verfilmen 0.4 ...das Kapital verfilmen 0.5 ...das Kapital verfilmen 0.6 ...das Kapital verfilmen 0.7 ...das Kapital verfilmen 0.8 ...das Kapital verfilmen 0.9 ...das Kapital verfilmen 1.0 ...das Kapital verfilmen 1.1

Weiterzufuehrende Stellen in der Schrift werden, soweit systematisch erfasst, mit "..." gekennzeichnet, offene Wortfolgen bzw. noch zu schlieszende Stellen mit "Xxx".


1.4 Links vom Film zum Text

Nimmt man Film oder allgemein das audiovisuelle Bewegtbild zur Vorlage einer Realitaetswahrnehmung und -reflexion, dann ist das Primat des Textes nicht mehr zwingend gegeben. Links vom Film zum Text, insbesondere zum Text des Kapital, waeren als Werkzeugmedium des Wechselbezugs zu sehen und wuerden Film und "Kinofizierung", wie es Sergej Eisentein nennt, aus der Aufgabe der Vermittlung oder Propaganda entlassen. Bild und Text stuenden nicht mehr in einem Verhaeltnis von Sklave zu Meister, in dem das Bild den vermeintlich semantisch weitreichenderen Text nur illustriert, be-Bild-ert. Die Arbeiten Alexander Kluges im deutschen Fernsehen, der an einer Verfilmung des Kapital abeiten soll, die Text- und Bild/Ton-Abfolgen zu einem Gefuege aufbaut, das sich linear in einer Sendung ergaenzend darstellt, orientieren sich merkwuerdig Unzeitgemaesz am (oralen) Vortrag. Die 'Interaktiviaet' des Hypertext laesst andere Techniken der Lektuere zu, die offenbar -- das bleibt noch nachzuweisen -- per- und rezeptorische Linearitaet anders fassen lassen. Der Text betextet das Bild wie das Bild den Text bebildert.


1.5 Ich werde/Wir werden das Kapital verfilmen

Insgesamt geht es nicht um eine erweiterte Filmwissenschaft, sondern um die Diskussion der tatsaechlichen Optionen der Aneignung der Kultur- und technischen Techniken, das Kapital zu verfilmen. Kollektive zu fuehrende Arbeit ... _______________ [1] Im Buch _Klassenverhaeltnisse_ nimmt Schuette dabei bezug zu Cézannes Technik oder Stratgie der Versionen anhand des Berges Sainte-Victoire, bei der das Bildmotiv als Ausloeser, aber fuerderhin bestehendes Fixum (Festbezug), unterschiedliche Formulierungen ermoeglicht.


2. Xxx

Bildfluss-Begriffe

Bild-Bild Kombinatorik: Eisensteins 'nicht funktionierende' Ideogramme (von Balázs kritisiert [siehe Hartmut Winkler ueber den von Bela Balázs ausgemachten Zwang der menschlichen Sinngebung in _Switching-Zapping_ S. 117]) koennen evtl. der Verfremdung i.vgl. zu Brecht dienen. ... _______________ [x] Die Betonung einer geistig-traeumerischen, romantischen Rezeption von Film laesst sich bei Béla Balázs erweitern auf eine zugrundeliegende intellektuell-kulturelle Sichtweise -- Hanno Loewy schreibt von antikapitalistischer Romantik -- oder Filmanschauung: er wollte im Dunst einer moeglichen Revolution eher an einer "Revolution der Seele" teilnehmen, als an einer sozialen; das bei gleichzeitiger voller Realisierung seitens Balázs der wirklichen (realen) sozialen Vorgaenge vor der ungarischen Raeterevolution im Jahr 1919. Film ist hier, mit Loewy, Inititationsmaterial fuer alles was folgen kann aber nicht muss. Notwendigkeit von Veraenderung erscheint auf der Ebene der Vorstellungen 'gut' bzw. 'schlecht aufgehoben' (Loewy, S. 284).


3. Das Kapital verfilmen

3.1 Kinofizierung

Zwischen den Notaten Eisensteins zur "Kinofizierung" des Kapital -- womit er bei dem Vorhaben, die Schriften ins Kinoformat zu bringen, den oeffentlichen und massenhaften Charakter betont -- und diesem Versuch, das Kapital zu verfilmen, naemlich die Inhalte [2] resepektive die Ansaetze der drei Baende von Marx/Engels [3], liegen Abstaende -- die Distanzen heutiger Interpretation, der Exegese und Aufbereitung zur damaligen historischen Situation. Darzustellen waere die Eisenstein selber will nicht das Kapital bebildern sondern dessen Methode der Dialektik zeigen. (Schlegel WO?)

3.2. Film, Game, Display

Game? ... Wenn von einem Rahmen, oder offener einem Netz der Bezugnahmen sekundaerer Medieninalte zum Kapital ausgegangen wird, dann koennte alternativ auch Graffitty oder Radio behandelt werden. Die Umsetzungen/Uebersetzungen sind vielfaeltig moeglich. Die Frage ist, ob Film als hochkomplexes Medium nicht dem Grad der Komplexitaet und Popularitaet des Buch (zwischen Gutenberggalaxis und Turinggalaxis waere vielleicht noch die »Imagogalaxis« zu nennen) gleichkommt und daher praeferiert werden sollte. ... Die Gruppe MXKS erarbeitet nach der Lektuere des Kapital Vermittlungen mithilfe von zum Teil animierten PowerPoint-Folien ... _______________ [2] Die Frage muss gestellt werden, ob Inhalte verfilmt, oder Ansaetze vermittelt werden sollen? Was waeren dann _Inhalte_ und was _Ansaetze_, wenn beide sich bedingen und "Inhalte" die lesbaren, konnotierbaren und herstellbaren Bedeutungen sind, und unter "Ansatz" die Methode und Struktur der Produktion und Verarbeitung des Materials konkret UND theoretisch verstanden werden soll? [3] Karl Marx/Friedrich Engels. _Ausgewaehlte Werke_. Zusammengestellt und eingerichtet von Mathias Bertram. Berlin: Directmedia, 1998. [Digitale Bibliothek Band 11, zugrundegelegte Ausgabe: MEW, Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Institut fuer Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.), Bd. 1-43, Berlin: Dietz-Verlag, 1956 ff.]


4. intermedial

Diegese, Darstellbarkeit und -moeglichkeit ueberhaupt, siehe Holocaust ("siehe" die mediale Rekonstruktion der Shoah als Probe auf die Darstellung von Wirklichkeit) Intermedialitaet, Transmedialitaet, Lektuere Kapital, Film und Text, Film und Film und Video und Netz, Rezeptionstheorie, empirisch-kategorialer Graph?, ...

aus einer vorlaeufigen Projektbeschreibung (Stand: 28.11.2007):

"Sergej Eisensteins prominente, undurchgeführte Verfilmung des _Kapital_ [1] bietet Flächen für spekulative praktische Theorie. Beispielsweise, ob die Umsetzung ins Bewegtbild nicht doch längst erfolgt ist, und zwar im umgekehrten Sinn des Werkes, nämlich in multiplen aber nicht koordinierten Ausfertigungen.

Im Projekt nun wird versucht, historische und zeitgenössische Ansätze, die Eisensteins Idee der Verfilmung von Karl Marx' _Kritik der politischen Ökonomie_ nahe kommen, systemisch zu kartografieren (Mapping) und deren Kernproblematiken medien- und funktionsästhetisch zu untersuchen. Die dabei angewandte sogenannte "reale Kartografie" ist ? im Gegensatz etwa zur topografischen Wirtschaftsgeografie oder zur Netz(geo)grafie ? eine qualitativ diagrammatische, welche Verhältnisse und Beziehungen von deskriptiven und begrifflichen Topoi nicht nur beschreibend illustriert, sondern Rekurrenzen kommentierbar und damit kritikabel machen soll. Die bildnerischen Grenzen und Möglichkeiten von Kombinationen verschiedener Graphen-Methoden (Netzgdiagramme, Mindmapping, wissenstheoretisches topologisches Kartografieren) werden im Zusammenhang mit Texten und Audiovisuellem Material fragmentarisch, also nicht enzyklopädisch, perfomiert.

In den mehreren parallelen Schritten [2] werden Versuche, _Das Kapital_ auf den technisch-technischen und kulturtechnischen Stand der Medien zu bringen auf die Problematik der formal-inhaltlichen Assimilation und Dissimilation hin untersucht und im vielfältigen Topos aus Ver-FILMung, Ver-GAMEung, Comic, Malerei und Isotype (Otto Neurath) gefaßt. In Containern wird und werden: das historisch-zeitgenössische Forschungsfeld bereits vorhandener Filme und Computerspiele konstruierend erschlossen, netzdiagrammatisch auf Schlüsselinhalte des _Kapital_ rückbezogen, die Ansätze kartografiert, Modellvorschläge für mögliche Umsetzungen vorgestellt, diese wiederum kartografiert. Mit den Karten wird eine Synopse der Versionen möglich, die aspektiv (kombinatorisch/vergleichend) und perspektiv (rückschließend/vorstellend) in einen navigierbaren Raum aus grafischer Navigation, qualitativen Graphen, Texten eingeht.

Die einzelnen Produkte (Filme, Games, Bilder) werden mit dem einfachen und vorläufigen Hilfstheorem der "aktionalen Artefakt-zu-Artefakt Differenz" untersucht ? auch im Hinblick auf historiografische Probleme des Verständnisses der "Kritik der politischen Ökonomie" Eisensteins selbst. Mit dem Theorem kann epistemologisch davon ausgegangen werden, daß Wissen erst prozessual in der Aktion des Auslese- und neuerlichen Wieder-Schreibprozesses differierend zur Text- oder Filmvorlage entsteht und die dabei hervortretenden Unterscheidungen von Inhalt, Form, Aussage und Interpretation am Medium der Explikation erst rezipierbar werden (vgl. in der Rezeptionstheorie die Lektüre als produktiven Akt). Vielleicht im Gegensatz zur Unterscheidung von Signifikat-Signifikant besteht hier der Vorteil, reine Zeichenevidenzen, verlagert ins "Hyperreale" eines Bereichs der bloß als virtuell verstandenen symbolischen Codeströme (z.B. Börse), zu meiden, und Verlaufsformen in wirkmächtigen Graden der Verschränkungen von Out- und Input (bspw. Mehrwerttheorien und die Darstellung der Form von Geld) auf konkrete Prozesse phänomenologisch und sozial, d.h. nicht-normativ zu beschreiben. Diese Prozesse sind hier gleichwohl intermediale. Die Translation, d.h. die Um-Setzung in der Konkretisierung bzw. Realisierung vom Text zum Film und dessen Memoriereffekt zurück auf Text und reale Situation als ein gemeinsames Drittes, kann dabei 'natürlich' nicht als ein 1 : 1 Verhältnis gelesen werden, sondern muß, in kritischer Betrachtung solch quasi-platonischer Begrifflichkeiten, und in theoretischer Annäherung an reale soziale Konditionen als interdependentes Medium, oder gar Transmedium aus Theorie und aus Film in grammatikalischen Kategorien unterschieden werden.Das Projekt befindet sich im Anfangsstadium und hat zum Ziel, in einer Webpublikation zu münden. Eine Projektskizze befindet sich im Anhang. _______________ [1] Vgl. Hans-Joachim Schlegel (Hg.). _Sergej M. Eisenstein - Schriften 3: Oktober_, mit Notaten zur Verfilmung von Marx' Kapital. [2] Siehe dazu auch die Projektskizze "... das Kapital verfilmen - Projektplan (27.11.2007)"


5. ... zu Gold spinnen

Inhaltliche Parallelen, Aequivalenzen und Illustrationen zu einzelnen Abschnitten des Kapitals sind bildnisch/filmisch gut auffindbar ... Im Maerchen "Rumpelstilzchen" spinnt der Zwerg Stroh zu Gold fuer einen Lohn, der die Herrin (die Koenigin) quasi enteignen soll. Umgekehrte Verhaeltnisse! Der Verwandlungsprozess innerhalb desssen aus Rohstoff, Produktionsmitteln und Arbeit ein Produkt gemacht wird, fuehrt bei Marx zur Diskussion des Verwertungsprozesses und dem Mehrwert der hier gesponnen wird:


        "Sollte der Arbeiter mit seinen eignen Gliedmaßen in der blauen Luft
        Arbeitsgebilde schaffen. Waren produzieren? Gab er ihm nicht den
        Stoff, womit und worin er allein seine Arbeit verleiblichen kann? Da
        nun der größte Teil der Gesellschaft aus solchen Habenichtsen besteht,
        hat er nicht der Gesellschaft durch seine Produktionsmittel, seine
        Baumwolle und seine Spindel, einen unermeßlichen Dienst erwiesen,
        nicht dem Arbeiter selbst, den er obendrein noch mit Lebensmitteln
        versah? Und soll er den Dienst nicht berechnen? Hat der Arbeiter ihm
        aber nicht den Gegendienst erwiesen, Baumwolle und Spindel in Garn
        zu verwandeln?" [Marx: Das Kapital, S. 285 ff.Digitale Bibliothek Band 11:
        Marx/Engels, S. 3594 (vgl. MEW Bd. 23, S. 206 ff.)] (Anm. d. Verf.: Die
        Zitiertweise wird hier und bei allen weiteren Stellen aus dem Kapital der
        Einfachheit halber von der Redaktion der Digitalen Bibliothek
        uebernommen.)

...


6. Produktion: Oekonomie einer moeglichen Film-Sprache Eisensteins

Die Produktivitaet der symbolischen Arbeit bzw. der Arbeit am Symbolischen, eben der Symbolarbeiter, wird in der literarischen literaturwissenschaftlichen Forschung (vgl. Marc Shell 1978) und der Behandlung der Oekonomien von Medien (vgl. Winkler 2004) immer wieder auf die Tauschsysteme von Markt und Warenzirkulation gebracht, um eine "innere Oekonomie" (Winkler S. 7) der Zeichen auszumachen. Vorausgesetzt wird bei Shell wie bei Winkler dabei der Tausch offenbar als die Oekonomie als das ganze konstitutierender Zusammenhang, wobei die These einer strukturellen Aehnlichkeit von Symbolischen Systemen (in und durch technische Medien) und Tausch-Oekonomie beide 'Welten' disziplinarisch auseinanderhaelt und aufeinander bezieht.

Ist die Produktionsseite des Symbolischen ausreichend beschrieben, z.B. von Walter Benjamins massenhaftem Neumedium (siehe Kunstwerkaufsatz)? Und wo endet oder faengt das Gebiet, das Arreal des Symbolischen ueberhaupt an? Kann es nur auf der Ebene der Bedeutung, der Symbolisierung, verortet werden, oder auch bereits -- wie beispeilsweise die Apparatustheorie -- der maschienengestuetzten Herstellung dann letztlich symbolisch, oder genauer bildlich-akustisch-koerperlich relevanter Inhalte?

Vorlaeufig in einer p r o d u k t i v e n R e z e p t i o n von Eisensteins Anlauf und Vorstellung, die Methode des Kapital, naemlich die dialektische, darzustellen, welche das Covern und Adaptieren vorhandener Theorie und Praxis beinhaltet, waere das Kern-Projekt.

Die Strukturelle Aehnlichkeit des medial Symbolischen mit der Tauschoekonomie sitzt einem historischen Modell auf, dem der Zirkulation, die als integrierter Prozess von Produktion (Mehrwertbildung) und Warenzirkulation immer auch Reproduktionsprozess der Kapitalien ist. Auch wenn Zirkulation als Muster oder gar Ursprungsmoment (Winkler S. 66 ff.) verlegt wird in einen allgemeinen ueberhistorischen Austausch von Items (Elementen, Posten), muesste dieser in seiner Anwendung spezifiziert werden _______________ [x] Hartmut Winklers Text _Diskursoekonomie_ konnte geraume Zeit nach Erscheinen als Buch fuer 11,00 EURO als PDF im Web heruntergeladen werden. Diese zweifache Publikationsform ist vielleicht mehr als eine Anekdote. Das Interface gedrucktes Buch (mit dem Copyright beim Verlag) und das Interface elektronische Datei (mit dem Copyright beim Autor) zeigen zweierlei Wechsel an: den damit moeglich gewordenen Wechsel von einem Display-Medium zum anderen, was einem erweiterten Leseverhalten (Blaettern im Buch, Suchfunktion im PDF) foerderlich ist, sowie den schleichenden Wechsel vom Druck -- aus dem Gutenberguniversum -- zum elektronisch reproduzierbaren Buch mit neuen Publikationsmoeglichkeiten. Der Text mit Annotationen und Anstreichungen des Autors dieses Textes ist hier als PDF zum Download verfuegbar: HIER URL eintragen!


Notizen:

Film nicht als Bild- oder Zeitmaschine, sondern als produktives politisches Setting wie eine Wahl, Strassenverkehr, Sexarbeit, oder Hausbau, aber spezialisiert auf ideologische-emotionale Wirkungen.


Quellen

Loewy, Hanno. _Medium und Initation Béla Balázs: Maerchen, Aesthetik, Kino_. Dissertation. Universitaet Konstanz, 1999. Deutsche Nationalbibliothek Archivserver http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=958461252).

Korsakov System

Kreimeier, Klaus. _Kino und Filmindustrie in der BRD: Ideologieproduktion und Klassenwirklichkeit nach 1945_. Kronberg/Ts.: Scriptor, 1973.

Marx, Karl /Friedrich Engels. _Ausgewaehlte Werke_. Berlin: Directmedia, 1998. [Digitale Bibliothek Band 11, zugrundegelegte Ausgabe: MEW, Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Institut fuer Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.), Bd. 1-43, Berlin: Dietz-Verlag, 1956 ff.]

MXKS. ...

Shell, Marc._The Economy of Literature_. Baltimore and London: The Johns Hopkins University Press, 1978.

Schlegel, Hans-Joachim (Hg.). _Sergej M. Eisenstein - Schriften 3: Oktober_, mit Notaten zur Verfilmung von Marx' Kapital. [HIER noch Verlagsdaten u. Publikationsdatum eintragen]

Schuette, Wolfram (Hg). _Klassenverhaeltnisse -- Von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub nach dem Amerika-Roman "Der Verschollene von Franz Kafka_. Frankfurt am Main: Fischer, 1984.

Winkler, Hartmut. _Diskursoekonomie. Versuch über die innere Oekonomie der Medien_. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004. Volltext http://wwwcs.uni-paderborn.de/~winkler/d-oek-ge.pdf


Matze Schmidt Mo., 26.01.2009 13:05


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